Vom Dicken zur Höhenlage: 176 Jahre Schweizer Banknoten-Geschichte

Vom Münzwirrwarr zur einheitlichen Währung

Bevor 1850 der Schweizer Franken eingeführt wurde, herrschte in der Schweiz ein veritabler Münzwirrwarr. Hunderte verschiedene Münzen aus den Kantonen sowie ausländisches Geld aus Österreich, Italien, Frankreich und Deutschland waren im Umlauf. Die Kantone prägten eigene Währungen mit eigenwilligen Namen wie Dicken, Rösseler oder Cornuto – manche davon abgeleitet von Münzbildern, andere von Missverständnissen oder gar Schmähungen.

Mit dem Bundesmünzgesetz von 1850 wurde der Franken zur offiziellen Währung. Er wurde an den französischen Franc angelehnt und definiert als Äquivalent von 4,5 Gramm Silber. Doch der Start verlief holprig: Weil der Silberpreis in den 1850er-Jahren stark stieg, wurde das Silber aus den Franken gehortet. Erst 1860 passte die Schweiz die Gesetzgebung an und erlaubte auch Goldmünzen.

Die Schweizerische Nationalbank und ihr Auftrag

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wurde im Januar 1906 gegründet und nahm 1907 ihren Betrieb auf. Als unabhängige Zentralbank führt sie die Geld- und Währungspolitik der Schweiz. Ihr vorrangiges Ziel ist die Preisstabilität, definiert als Anstieg des Landesindexes der Konsumentenpreise von weniger als 2 Prozent pro Jahr.

Die SNB verfügt über das Monopol zur Ausgabe von Banknoten und versorgt die Wirtschaft nach den Bedürfnissen des Zahlungsverkehrs mit Noten. Im Auftrag des Bundes übernimmt sie auch die Verteilung der von Swissmint in Bern geprägten Münzen. Zudem trägt sie zur Stabilität des Finanzsystems bei und verwaltet die Währungsreserven.

Neun Epochen auf Papier: Die Banknotenserien

Die Anfänge und die langlebige Zweite Serie (1907-1956)

Die erste Serie der SNB (1907-1925) bestand aus Interimsnoten mit einem Überdruck in Form einer roten Rosette mit Schweizer Kreuz. Sie umfasste vier Noten (50, 100, 500 und 1000 Franken), die sich nur in der Farbe unterschieden. Das damalige 1000-Franken-Nötli wäre heute kaufkraftbereinigt über 10'000 Franken wert.

Die zweite Serie (1911-1956) hatte die mit Abstand längste Lebensdauer und überdauerte beide Weltkriege. Sie umfasste acht Noten, darunter eine 5-Franken-Note mit Wilhelm Tell, die die silberne 5-Franken-Münze ersetzte, welche im Krieg gehortet wurde. Einige Scheine entwarf der Maler Ferdinand Hodler.

Die "Ameisli" und die Sechste Serie (1976)

Ende der 1960er-Jahre übernahm die SNB erstmals die komplette Kontrolle über Gestaltung und Herstellung. Die sechste Serie (1976) zeigte auf der Vorderseite historische Persönlichkeiten, die Rückseiten wiesen thematische Bezüge auf. Das 1000-Franken-Nötli mit dem Porträt des Psychiaters Auguste Forel erhielt den Übernamen Ameisli, weil auf der Rückseite drei Ameisen abgebildet waren.

Diese Serie ist die erste, die nie ungültig wird: Sie kann zeitlich unbefristet bei der SNB zum vollen Nennwert umgetauscht werden. 25 Jahre nach dem Rückruf im Jahr 2000 wird der Geldwert nicht zurückgegebener Banknoten der Serie an den Staat zurückgezahlt.

Die aktuelle Neunte Serie: "Die vielseitige Schweiz"

Die zwischen 2016 und 2019 gestaffelt lancierte neunte Serie zeigt erstmals keine Persönlichkeiten mehr, sondern sechs verschiedene Facetten der Schweiz:

  • 10 Franken (gelb): Die organisierende Seite – Hauptelement Zeit
  • 20 Franken (rot): Die kreative Seite – Hauptelement Licht
  • 50 Franken (grün): Die erlebnisreiche Seite – Hauptelement Wind
  • 100 Franken (blau): Die humanitäre Seite – Hauptelement Wasser
  • 200 Franken (braun): Die wissenschaftliche Seite – Hauptelement Materie
  • 1000 Franken (violett): Die kommunikative Seite – Hauptelement Sprache

Es ist auch die Serie mit den kleinsten Banknoten: Der 1000er-Schein von 1907 war mehr als 1,5-mal so gross wie der heutige.

Sicherheit und Material: Durasafe

Die Noten der neunten Serie werden auf Durasafe gedruckt, einem einzigartigen Papier-Polymer-Verbundmaterial, das speziell von Landqart für die SNB entwickelt wurde. Dieses dreischichtige Substrat verleiht den Banknoten eine höhere Festigkeit und Haltbarkeit und ermöglicht die Integration von hochtransparenten Fenstern sowie eine neuartige Einbringung von Sicherheitsfäden hinter transparentem Polymer.

Die Banknoten erfüllen traditionell hohe Sicherheitsansprüche. Zu den Merkmalen zählen unter anderem der Globustest (violetter Bogen beim Kippen), der Streifentest (sich gegenläufig bewegende Ziffern), das Schweizerkreuz als Durchsichtselement, Kupferdruck zum Ertasten, Microperf-Löcher, UV-Melierfasern und Infrarot-absorbierende Elemente. Tastbare Balken entlang der Längsseiten erleichtern die Unterscheidung für Sehbehinderte.

Ausblick: Die zehnte Serie "Die Schweiz und ihre Höhenlagen"

Die SNB entwickelt bereits die zehnte Banknotenserie, die frühestens 2031 erscheinen wird. Das Thema lautet "Die Schweiz und ihre Höhenlagen" und widmet sich der Topografie vom Jura über das Mittelland bis zu den Alpen.

Den Gestaltungswettbewerb gewann das Lausanner Designbüro Emphase GmbH (Fabienne Kilchör und Sébastien Fasel). Ihr Entwurf zeigt auf jeder Banknote eine unterschiedliche Höhenlage in Pastell-Tönen. Während auf der einen Seite heimische Pflanzen zu sehen sind, zieren die andere Seite Sujets aus Architektur, Kultur, Verkehr und Landschaft. Bei der Auswahl floss eine Bevölkerungsumfrage mit über 100'000 Teilnehmern zu 50 Prozent in die Entscheidung ein. Die Kosten für die neue Serie werden sich voraussichtlich im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Das Schweizer Münzgeld

Neben den Banknoten prägt der Bund Münzen, die die SNB in Umlauf setzt. Aktuell sind 5-, 10-, 20- und 50-Rappen-Stücke sowie 1-, 2- und 5-Franken-Münzen im Umlauf. Die 5-Franken-Münze trägt die Randschrift "Dominus Providebit" und 13 Sterne. Ältere Münzen aus Reinnickel oder Aluminiumbronze wurden ausser Kurs gesetzt, können aber bei der SNB weiterhin zum vollen Nennwert umgetauscht werden.