Schweizer Münzgeschichte: Von keltischen Goldstateren zum modernen Franken
Von der Antike bis zur Helvetischen Republik
Antike und frühmittelalterliche Prägungen
Die ältesten Münzen auf dem Gebiet der heutigen Schweiz waren keltische Gold- und Silbermünzen, die seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. Verwendung fanden. Dazu gehörten Imitationen von Goldstateren nach dem Vorbild Philipps II. von Makedonien sowie ostgallische Statere aus Gold oder Elektron mit schüsselförmigen Schrötlingen. Häufiger wurden Silberdrachmen und Oboli geprägt, die Köpfe auf dem Avers und steinbockähnliche Tiere oder Pferde auf dem Revers zeigten. Statt Bronzemünzen wurden sogenannte Potinmünzen aus einer Legierung von Kupfer, Zinn und Blei gegossen.
Seit der Romanisierung der Schweiz in der Regierungszeit des Kaisers Augustus wurde das römische Geldsystem vorherrschend. Auf Schweizer Boden wurden keine regulären römischen Münzen geprägt; die Versorgung erfolgte durch die Münzstätten Lugdunum (Lyon) und Rom. Nur in Augusta Raurica sind irreguläre Prägungen, vor allem subaerate Denare, nachgewiesen.
Im Frühmittelalter war die Monetarisierung sehr gering. Die Westschweiz gehörte zunächst zum Burgunderreich und ab dem 6. Jahrhundert zum Merowingerreich. Unter den burgundischen Königen wurden in Genf Münzen geprägt, während die Merowinger hauptsächlich Drittelsolidi (Trienten) herstellten, von denen bis heute kaum 200 Exemplare überliefert sind.
Das Münzwesen vom Hochmittelalter bis 1798
Im Hochmittelalter prägten Städte und Abteien kaiserliche, königliche und geistliche Münzen. Es begann die Zeit des regionalen Pfennigs mit sogenannten Brakteaten – dünnen, einseitig geschlagenen Silberpfennigen, die typischerweise vierzipfelig erschienen. Um den Handel zu vereinfachen, schlossen Zürich und Basel 1377 den Rappenmünzbund zur Wiederherstellung der Gleichsetzbarkeit.
Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Taler zur Hauptmünze, während die Kleinmünzensysteme regional unterschiedlich blieben. Die Münzverhältnisse glichen lange den deutschen, doch die Eidgenossen wurden nicht mehr zu den Probiertagen eingeladen, wodurch ihre Münzen als minderwertig verrufen wurden. Zahlreiche Kantone und Städte nutzten ihr Münzrecht, darunter Basel, Bern, Zürich, Luzern und Genf, mit teils charakteristischen Motiven wie dem Berner Bären oder der Basler Madonna.
Helvetik und kantonale Münzen (1798–1848)
Die Helvetische Republik
Nach der Besetzung durch das revolutionäre Frankreich wurde 1798 die Helvetische Republik ausgerufen. Mehr als 50 Münzstände mussten ihr Münzrecht an die Republik abtreten. Das System folgte dem französischen Vorbild: 1 Franken wurde in 10 Batzen zu je 10 Centimes unterteilt. Anders als in Frankreich wurde jedoch die christliche Zeitrechnung beibehalten. Gemünzt wurde in Basel (BA), Bern (B) und Solothurn (S) in Nominale von 1 Rappen bis 32 Franken in Gold.
Kantonale Ausgaben und das Münzkonkordat
Durch die Mediationsakte Napoleons vom 11. August 1803 erhielten 19 Kantone das Münzrecht zurück. Nach dem Bundesvertrag von 1815 schlossen sich drei weitere Kantone an. Die Kantone prägten eigene Münzen, wobei Bern teilweise die Bezeichnung „REPUBL : BERN" und Genf auf seine Stellung als Kanton und Republik hinwiesen.
Am 17. April 1825 schlossen sechs Kantone (Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Solothurn und Waadt) einen Münzvertrag zur Harmonisierung ihrer Prägungen. Diese „Konkordatsmünzen" trugen die Umschrift „DIE CONCORDIER CANTONE DER SCHWEIZ/LES CANTONS CONCORDANTS DE LA SUISSE". Die letzte kantonale Prägung waren die 1-Rappen-Münzen von Zürich von 1848. Die Bundesverfassung vom 12. September 1848 zentralisierte das Münzwesen beim Bund.
Der Schweizer Franken seit 1850
Einführung und Entwicklung der Kursmünzen
Am 7. Mai 1850 wurde das Gesetz zur Einführung des Schweizer Franken verabschiedet, das der Westschweiz entgegenkam, die von französischen Münzverhältnissen beeinflusst war. Die ersten Münzen wurden in Paris (A), Straßburg (AB oder BB) und Brüssel (B) geprägt, bis 1853 die Eidgenössische Münzstätte in Bern die Herstellung übernahm. Das System teilt den Franken in 100 Rappen und wurde seitdem fast unverändert beibehalten.
1865 gründete die Schweiz mit Frankreich, Belgien und Italien die Lateinische Münzunion. Als wichtigste Goldmünze wurde die „Helvetia" (20 Franken) von 1883 bis 1896 geprägt, gefolgt vom „Goldvreneli" (1897–1949). Das Fünffrankenstück entwickelte sich zur wertvollsten Umlaufmünze. Die aktuellen Nominale umfassen 5, 10, 20 und 50 Rappen sowie 1, 2 und 5 Franken.
Die Prägung erfolgt heute durch die Swissmint in Bern (bis 1998 Eidgenössische Münzstätte), während die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Münzen in Umlauf setzt. Die 5-Rappen-Münze besteht aus Kupfer-Aluminium-Nickel (92/6/2), während die 10-, 20- und 50-Rappen-Stücke sowie die 1- und 2-Franken-Münzen aus Kupfernickel (75/25) gefertigt werden. Das 5-Franken-Stück zeichnet sich durch die Randschrift „Dominus Providebit" mit 13 Sternen aus.
Gedenkmünzen
Bekannte Gedenkmünzen sind die Schützentaler, die von 1855 bis 1885 sowie 1934 und 1939 geprägt wurden und den Kursmünzen in Gewicht und Feingehalt entsprechen. Seit 1936 erscheinen Gedenkmünzen zu verschiedenen Anlässen. Nach einer Phase von Kupfernickel-Münzen (1974–1990) prägt die Swissmint seit 1990 Edelmetallmünzen in Silber (20 Franken) und Gold (250, 100, 50 Franken) sowie Bimetall-Münzen (5 und 10 Franken). 2022 wurde erstmals eine Platin-Gedenkmünze mit Nennwert 25 Franken lanciert.
Außer Kurs gesetzte Münzen
Zahlreiche Münzen wurden im Laufe der Zeit außer Kurs gesetzt. Die Silbermünzen (5-Franken-Stücke 1931–1969, 2-Franken 1874–1967, 1-Franken und 1/2-Franken 1875–1967) wurden am 1. April 1971 demonetisiert. Die 1- und 2-Rappen-Stücke folgten am 1. Januar 2007 bzw. 1978.
Aus Sicherheitsgründen wurden Fünffrankenstücke der Jahrgänge 1985–1993 mit vertiefter Randschrift am 1. Januar 2004 außer Kurs gesetzt und durch Prägungen mit Relief-Randschrift ersetzt. Ebenfalls am 1. Januar 2004 wurden die Zehn- und Zwanzigrappenstücke aus Reinnickel (1932–1939 bzw. 1881–1938) sowie ältere Fünfrappenstücke (vor 1981) demonetisiert. Die Nationalbank nimmt diese Münzen weiterhin zum vollen Nennwert zurück.