Schweizer Franken: Von keltischen Goldstateren zur neunten Banknotenserie
Vom Tauschhandel zum Bundesfranken: Die frühe Münzgeschichte
Die Schweizer Münzgeschichte beginnt lange vor der Gründung des modernen Bundesstaates. Keltische Gold- und Silbermünzen fanden bereits seit dem 3. Jahrhundert vor Christus Verwendung, darunter Imitationen von Goldstateren nach dem Vorbild Philipps II. von Makedonien sowie ostgallische Statere aus Gold oder Elektron. Häufiger wurden Drachmen und Oboli aus Silber geprägt, während sogenannte Potinmünzen aus einer Legierung von Kupfer, Zinn und Blei gegossen wurden.
Seit der Romanisierung der heutigen Schweiz in der Regierungszeit des Kaisers Augustus wurde das römische Geldsystem vorherrschend. Im Hochmittelalter begann die Zeit des regionalen Pfennigs. Es handelte sich um Brakteaten – Pfennige aus dünnem Silberblech, die einseitig geschlagen wurden und typischerweise vierzipfelig erschienen. Um den Handel zu vereinfachen, schlossen sich Zürich und Basel im Jahr 1377 zum Rappenmünzbund zusammen.
Helvetische Republik und Kantonalzeit
Nach der Besetzung durch das revolutionäre Frankreich wurde 1798 die Helvetische Republik gegründet. Mehr als 50 Münzstände mussten ihr Münzrecht an die Republik abtreten. Das System folgte dem französischen Vorbild: 1 Franken wurde in 10 Batzen zu je 10 Centimes unterteilt. Gemünzt wurde in Basel, Bern und Solothurn.
Durch die Mediationsakte von 1803 erhielten 19 Kantone das Münzrecht zurück. Einige Kantone schlossen 1825 einen Münzvertrag zur Harmonisierung, die sogenannten Konkordatsmünzen. Die letzte kantonale Prägung waren die 1-Rappen-Münzen von Zürich mit Jahrgang 1848. Die Bundesverfassung vom 12. September 1848 zentralisierte das Münzwesen. Am 7. Mai 1850 wurde der Schweizer Franken als gesamtschweizerische Währung eingeführt – vor 175 Jahren.
Das moderne Münzwesen und die Swissmint
Die ersten Münzen nach der Währungseinführung 1850 wurden ausserhalb der Schweiz geprägt – in Paris, Strassburg und Brüssel – da die eigene Münzstätte noch nicht bereitstand. Erst 1853 übernahm die Eidgenössische Münzstätte in Bern die Herstellung. Heute firmiert die Prägeanstalt unter dem Namen Swissmint.
1865 gründete die Schweiz zusammen mit Frankreich, Belgien und Italien die Lateinische Münzunion. In der Folge wurden Goldmünzen wie die Helvetia (1883–1896) und das Goldvreneli (1897–1949) geprägt. Die wertvollste Umlaufmünze blieb das Fünffrankenstück.
Aktuelles Münzsystem und technische Daten
Das Schweizer Münzsystem teilt den Franken in 100 Rappen. Aktuell sind bei den Kassenstellen der Schweizerischen Nationalbank in Bern und Zürich folgende Jahrgänge neuer, prägefrischer Umlaufmünzen erhältlich:
| Nominale | Jahrgang | Legierung | Durchmesser | Gewicht | Randprägung |
|---|---|---|---|---|---|
| 5 Rappen | 2023 | Kupfer 92%, Aluminium 6%, Nickel 2% | 17,15 mm | 1,80 g | glatt |
| 10 Rappen | 2019 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 19,15 mm | 3,00 g | glatt |
| 20 Rappen | 2021 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 21,05 mm | 4,00 g | glatt |
| 50 Rappen | 2024 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 18,20 mm | 2,20 g | gerippt |
| 1 Franken | 2023 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 23,20 mm | 4,40 g | gerippt |
| 2 Franken | 2024 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 27,40 mm | 8,80 g | gerippt |
| 5 Franken | 2022 | Kupfer 75%, Nickel 25% | 31,45 mm | 13,2 g | Randschrift "Dominus Providebit" + 13 Sterne |
Ausser Kurs gesetzte Münzen
Die Schweizerische Nationalbank nimmt verschiedene ältere Münzen weiterhin zum vollen Nennwert zurück. Silbermünzen (5-Franken-Stücke von 1931–1967 und 1969, 2-Franken-Stücke von 1874–1967, 1-Franken- und Halbfranken-Stücke von 1875–1967) wurden am 1. April 1971 ausser Kurs gesetzt.
Aus Sicherheitsgründen wurden Fünffrankenstücke der Jahrgänge 1985 bis 1993 mit vertiefter Randschrift per 1. Januar 2004 ungültig, da Fälschungen aufgetaucht waren. Ebenfalls am 1. Januar 2004 ausser Kurs gesetzt wurden Zwanzigrappen- und Zehnrappenstücke aus Reinnickel (1881–1938 bzw. 1932–1939), da Automaten diese heute nicht mehr akzeptieren. Die Zweirappenstücke (1948–1974) wurden bereits am 1. Januar 1978 ausser Kurs gesetzt, während die Einrappenstücke am 1. Januar 2007 ihre Gültigkeit verloren und bis 31. Dezember 2026 zurückgenommen werden.
175 Jahre Schweizer Banknoten: Von der Übergangsnote zur neunten Serie
Seit der Gründung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Januar 1906 erschienen neun Banknotenserien. Die erste Serie (1907–1925) bestand aus Übergangsnoten mit einem Überdruck in Form einer roten Rosette mit Schweizer Kreuz, da die SNB zu wenig Zeit für Neugestaltungen hatte. Sie umfasste 50-, 100-, 500- und 1000-Franken-Noten. Das damalige 1000-Franken-Nötli wäre heute kaufkraftbereinigt über 10'000 Franken wert.
Die zweite Serie (1911–1956) überdauerte beide Weltkriege und war die am längsten im Umlauf befindliche. Sie umfasste acht Noten, darunter eine 5-Franken-Note mit Wilhelm Tell, die die silberne 5-Franken-Münze ersetzte. Die dritte Serie (1918–1925) diente als Kriegsreserve; in Umlauf kamen nur die 20-Franken-Note mit Johann Heinrich Pestalozzi und der 100er-Schein.
Sicherheitsmerkmale und moderne Serien
Die fünfte Serie (1957–1980) brachte wichtige Neuerungen: Erstmals wiesen die Scheine Sicherheitsmerkmale wie fluoreszierende Fasern im Papier auf. Auch die erste 10-Franken-Note mit Gottfried Keller erschien. Die sechste Serie (1976–2000), erstmals komplett unter SNB-Kontrolle gestaltet, zeigte Persönlichkeiten mit thematisch passenden Rückseiten. Das 1000-Franken-Nötli mit dem Psychiater Auguste Forel erhielt den Spitznamen „Ameisli“, da die Rückseite drei Ameisen zeigte. Diese Serie verliert nie ihre Gültigkeit und kann zeitlich unbefristet umgetauscht werden.
Die achte Serie (1995–2021) war eine Hommage an die Schweizer Kunstszene und porträtierte Le Corbusier, Alberto Giacometti und Charles Ferdinand Ramuz. Erstmals kam elektronische Bildbearbeitung zum Einsatz; die 500-Franken-Note verschwand zugunsten einer 200-Franken-Note. Die aktuelle neunte Serie (2016–heute) zeigt keine Personen mehr, sondern Themen wie Kommunikation und humanitäre Tradition. Es handelt sich um die Serie mit den kleinsten Banknoten; der 1000er von 1907 war mehr als 1,5-mal so gross wie der heutige.
Im Herbst 2024 kündigte die SNB eine neue Banknotenserie an. Weitere Informationen zur Bargeldversorgung und den aktuellen Münzen finden sich auf der Website der Schweizerischen Nationalbank. Wer sich für die kulturhistorische Dimension des Geldes interessiert, findet im Buch „Geld. Schweizer Münzen und Banknoten als unbestechliche Zeitzeugen“ von Johannes Müller vertiefende Einblicke in die Entwicklung vom Bargeld zum Kreditgeld und 100 Jahre Schweizerische Nationalbank.